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Chipsi

1965 - 1981

Als Drittklässlerin fuhren meine Eltern am Sonntag öfters ins idyllische Städtchen Rapperswil am Zürichsee. Wir sassen in einem Gartenrestaurant und kaum hatte ich meinen Sirup „geschlürft“, durfte ich an die Kastanienallee zum Promenieren. Jeden Sonntag spielten dort die Heilsarmee-Leute rassige Musik, und ich fühlte mich angezogen von den dramatischen Erzählungen der Mitstreiter. Ich setzte mich auf eine Steinmauer und hörte gebannt zu. Ganz unbemerkt bekam ich Gesellschaft.

Ein grosser, dunkelbrauner Königspudel setzte sich neben mich. Als ich in seine Augen sah, so schön und geheimnisvoll, traf mich ihr Ausdruck bis in meine tiefste Seele. Ich schmolz dahin wie Butter in der Sonne. Mit anderen Worten: es hatte gefunkt! Liebe auf den ersten Blick. Von dieser Stunde an war es klar, mein grösster Wunsch: ein brauner Pudel.

Ich musste sehr lange auf die Erfüllung dieses Wunsches warten. In der Zwischenzeit durfte ich viele Katzen lieben; denn Hunde waren gar nicht erlaubt in den Miethäusern des Etzelwerks, weil dort die Männer schichtweise arbeiteten, rund um die Uhr.

Erst nach 20 Jahren ging mein sehnlichster Wunsch in Erfüllung. Ich war inzwischen verheiratet und auch mein Mann wusste um meinen Wunsch. Zufälligerweise hörte er an seinem Arbeitsplatz, dass jemand ungewollterweise junge „Pudeli“ aufzog. Der Vater war ein brauner Königspudel, die Mutter eine schwarze Mittelpudelhündin. So rief mich mein Mann an und erzählte mir davon.

Da ich noch berufstätig war, mussten wir die Situation erst klären, wie sich ein kleiner Hund integrieren liesse. Meine Chefin, eine grosse Hundefreundin, erlaubte mir, den Hund ins Büro mitzunehmen. Das war ein Glücksfall!

Im November besuchten wir die jungen Hundebabies zum ersten Mal. Ich war zuerst etwas enttäuscht und erstaunt, weil die Welpen absolut nicht wie „Pudelis“ aussahen. Ich durfte mir von den 5 Welpen eines aussuchen. Ich freute mich unbändig. In der ersten Dezember-Woche starb meine Mutter und hinterliess eine unersetzbare Lücke in meinem Leben.

Ich war sehr traurig. Und so kam dieser Weihnachtstag, der 24. Dezember 1965, der mein Leben so reich machte. Wir holten den jungen Hund ab. Ich wusste genau, dieses „Bündel“ Hund werde ich nie wieder loslassen. Ich besass damals einen Stoffmantel mit dunkelbraunem Kragen. Und genau diese Farbe hatte auch sie: Chipsi, nannte ich sie. Direkt vom ersten Augenblick an kuschelte sich Chipsi in diesen Kragen und an mich. Als ihre nasse Nase meinen Hals berührte, war es um mich geschehen. Wir waren unzertrennlich. Ein Moment absoluter Glückseligkeit. Ich liess den Hund nicht mehr los. Auch als er im Auto einschlief, hielt ich ihn auf den Armen. Zu Hause setzte ich mich in den Lehnstuhl, behielt den Mantel an und verbrachte so drei intensive, glückliche Stunden. Ein ganz besonderer Weihnachtsabend! Der Beginn einer unzerbrechlichen Freundschaft und Treue.

16 Jahre lang durfte ich mich an diesem ersten Hund erfreuen. Als er starb, blieb ich meinem Wunsch treu und hatte noch zwei Pudel, aber etwas kleinere, einen Mittel- und einen Zwergpudel: braune, natürlich… 

von Eva Diethelm-Baumann (1996)

 

 

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Page last modified: 15.01.2012

 

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